Keine Beugehaft für Christa Eckes – Tödliche Beugehaftandrohung der Justiz

Un­sere Freundin und Ge­nossin Christa Eckes soll in Beu­ge­haft gehen,‭ ‬weil sich das Ober­lan­des­ge­richt‭ (‬OLG‭) ‬in Stutt­gart dem An­trag der Bun­des­an­walt­schaft‭ (‬BAW‭) ‬an­schloss.‭ ‬Im Au­gust diesen Jahres stellte sich heraus,‭ ‬dass Christa an akuter lym­pha­ti­scher Leuk­ämie er­krankt ist.‭ ‬Seit An­fang Sep­tember wird sie mit Chemo-The­rapie und Be­strah­lung sta­tionär im Kran­ken­haus be­han­delt und kämpft um ihr Leben.‭ ‬Eine Haft würde ihr Leben akut ge­fährden.‭ ‬Die drin­gend not­wen­dige The­rapie würde damit ab­ge­bro­chen.‭ ‬Die an­ge­ord­nete Maß­nahme ris­kiert damit be­wusst und zy­nisch ihr Leben.

Seit dem‭ ‬30.‭ ‬Sep­tem­ber‭ ‬2010‭ ‬läuft in Stutt­gart der me­dial groß insze­nierte Pro­zess gegen das frü­here RAF-Mit­glied Verena Becker.‭ ‬Hin­ter­grund des Ver­fah­rens ist die Er­schie­ßung des da­ma­ligen Ge­ne­ral­bun­des­an­walts Bu­back‭ ‬1977.‭ ‬Ob­wohl Christa zur Zeit des At­ten­tats auf Bu­back be­reits meh­rere Jahre im Knast saß,‭ ‬wurde sie wie viele an­dere ehe­ma­lige RAF Mit­glieder im Vor­feld dieses Pro­zesses als Zeugin im Bun­des­ge­richts­hof‭ (‬BGH‭) ‬in Karls­ruhe vor­ge­laden.‭ ‬Sie hat die Aus­sage ver­wei­gert und auf An­trag der BAW wurden be­reits da­mals‭ ‬6‭ ‬Mo­nate Beu­ge­haft gegen sie ver­hängt,‭ ‬die aber zu­nächst zu­rück­ge­stellt wurde.

Im Sep­tem­ber‭ ‬2011‭ ‬wurde sie vom OLG Stutt­gart er­neut als Zeugin im Pro­zess gegen Verena Becker ge­laden.‭ ‬Das vor­ge­legte At­test über Art und Schwere der Er­kran­kung hielt das Ge­richt nicht davon ab,‭ ‬im No­vember eine Be­fra­gung von Christa im Auf­ent­halts­raum des Kran­ken­hauses zu er­zwingen.‭ ‬Christa bekam zu diesem Zeit­punkt ge­rade eine In­fu­sion der Chemo-The­rapie.‭ ‬Trotz der aus­drück­li­chen Auf­for­de­rung des Chef-Arztes,‭ ‬dass die Be­fra­gung auf keinen Fall länger als‭ ‬30‭ ‬Mi­nuten gehen dürfe,‭ ‬dau­erte die ganze Pro­zedur fast eine ganze Stunde.

Christa hat die Aus­sage ver­wei­gert und das OLG Stutt­gart hat am‭ ‬1.‭ ‬De­zember sechs Mo­nate Beu­ge­haft gegen Christa an­ge­ordnet.‭ ‬Zuvor sollte al­ler­dings die Haft­fä­hig­keit ge­prüft werden.‭ ‬Der Be­schluss des Ge­richts wurde offen als Fax ins Sta­ti­ons­zimmer des Kran­ken­hauses ge­schickt,‭ ‬wo er von allen Vor­bei­ge­henden ge­lesen werden konnte.‭ ‬Am‭ ‬9.‭ ‬De­zember wurde Christa die La­dung zum An­tritt der Beu­ge­haft zu­ge­stellt.‭ ‬Sie soll sich bis spä­tes­tens‭ ‬23.‭ ‬De­zem­ber‭ ‬2011‭ ‬im Jus­tiz­voll­zugs­kran­ken­haus Ho­hen­asperg bei Stutt­gart ein­finden.‭ ‬Ihre Haft­fä­hig­keit wurde nicht ge­prüft.

Es ist völlig klar,‭ ‬dass Christa im Knast die für sie über­le­bens­wich­tige Krebs­the­rapie nicht fort­führen kann‭ – ‬auch nicht in einem der Knast­kran­ken­häuser,‭ ‬die eher Men­schen unter Druck setzen als be­han­deln.‭ ‬Au­ßerdem ist es für Christa in dieser Ex­trem­si­tua­tion sehr wichtig,‭ ‬die Nähe und den Aus­tausch mit ihren Freund_innen und ihrer Fa­milie zu ha­ben‭ – ‬von Men­schen um­geben zu sein,‭ ‬die ihr gut tun.‭

Der Er­folg ihrer Be­hand­lung steht so­wieso schon auf Mes­sers Schneide,‭ ‬und jetzt kommt noch die Be­dro­hung sei­tens der Justiz dazu.

Warum Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung‭?

Ehe­ma­lige Ge­fan­gene aus der RAF er­klärten in einem Pa­pier vom Mai‭ ‬2010,‭ ‬ver­öf­fent­licht‭ „‬von Ei­nigen,‭ ‬die zu un­ter­schied­li­chen Zeiten in der RAF wa­ren‭“‬:‭ „‬Wenn von uns nie­mand Aus­sagen ge­macht hat,‭ ‬dann nicht,‭ ‬weil es dar­über eine be­son­dere‭ „‬Ab­spra­che‭“ ‬in der RAF ge­geben hätte,‭ ‬son­dern weil das für jeden Men­schen mit po­li­ti­schem Be­wusst­sein selbst­ver­ständ­lich ist.‭ ‬Eine Sache der Würde,‭ ‬der Iden­ti­tät‭ – ‬der Seite,‭ ‬auf die wir uns ge­stellt haben.‭“ ‬Und an an­derer Stelle:‭ „‬Wir ma­chen keine Aus­sagen,‭ ‬weil wir keine Staats­zeugen sind,‭ ‬da­mals nicht,‭ ‬heute nicht.‭“

Christa be­steht auf ihrem le­gi­timen Recht Aus­sagen zu ver­wei­gern.

Das staat­liche und ge­sell­schaft­liche Ra­che­be­dürfnis ge­gen­über den Men­schen,‭ ‬die in der RAF or­ga­ni­siert waren,‭ ‬ist un­ge­bro­chen.‭ ‬Ver­langt werden Reue und Un­ter­wer­fung.‭ ‬Alle,‭ ‬die nicht Ab­bitte leisten,‭ ‬werden wei­terhin ver­folgt und de­nun­ziert.‭ ‬Die BAW hat be­reits in an­deren Zu­sam­men­hängen die Beu­ge­haft be­gründet:‭ „‬…die kol­lek­tive Ak­tion‭ (‬muss‭) ‬über das Mittel der Beu­ge­haft ge­bro­chen wer­den‭“ (‬s.‭ ‬Kas­ten‭) ‬und‭ „‬Die Beu­ge­haft ist keine Strafe son­dern eine Er­zie­hungs­maß­nah­me‭“ (‬Ober­staats­an­walt in Mem­mingen,‭ ‬1989‭)‬.‭

Mit dem Pro­zess gegen Verena Becker wird die Ver­fol­gungswut der Justiz noch nicht zu Ende sein.‭ ‬Wei­tere Er­mitt­lungs­ver­fahren gegen ehe­ma­lige Mit­glieder der RAF,‭ ‬die be­reits ver­ur­teilt waren,‭ ‬sind schon ein­ge­leitet.‭

Jetzt gilt es aktiv zu werden,‭ ‬Christa braucht euch jetzt alle‭!

Seid laut und er­fin­de­risch,‭ ‬pro­tes­tiert‭!

Bringt eure Em­pö­rung zum Aus­druck‭!

Wir for­dern die so­for­tige Auf­he­bung der Beu­ge­haft‭!

Hände weg von Chri­sta‭!

Infos,‭ ‬Ak­tionen,‭ ‬Ak­ti­ons­vor­schläge und Auf­rufe dem­nächst auf:

http://Kei­ne­Beu­ge­haft.blogs­port.de

Spen­den­konto

Die Kosten,‭ ‬die nun auf Christa zu­kommen,‭ ‬können enorm an­wachsen,‭ ‬denn alle ge­richt­li­chen Auf­wände,‭ ‬inkl.‭ ‬Kna­st­auf­ent­halt,‭ ‬werden ihr in Rech­nung ge­stellt.

För­der­verein für an­ti­fa­schis­ti­sche Kultur

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Spar­kasse Karls­ruhe,‭ ‬BLZ‭ ‬660‭ ‬501‭ ‬01

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